Premiere: Neue Fliege am Rand des Zonienwaldes entdeckt

Drapetis bruscellensis. Diesen Namen bekam der neueste Spross unter den Insekten. “Ich bin schon 36 Jahre Entomologe, doch eine neue Art zu entdecken ist wirklich etwas Besonderes”, sagt Patrick Grootaert vom Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften, der die Fliege einen Steinwurf vom Zonienwald entfernt entdeckte.

© KBIN

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Zum ersten Mal in zwanzig Jahren wurde in unserem Land eine neue Fliegenart entdeckt. Drapetis bruscellensis wurde im Botanischen Garten Jean Massart, nahe dem Zonienwald, gefunden. “Dies zeigt, dass die dortige Landschaftspflege Früchte trägt“, so der Entdecker Patrick Grootaert vom Königlichen Belgischen Institut für Naturwissenschaften.

Wie fühlt man sich, wenn man eine neue Tierart entdeckt?

Patrick Grootaert: “Ich bin schon 36 Jahre Entomologe, doch eine neue Art zu entdecken gibt echt einen Kick. Auch für die Bewirtschafter des Botanischen Gartens Jean Massart war dies eine hervorragende Neuigkeit.  Dieses wundervolle Stück Natur grenzt an den Zonienwald und an die Teiche des Roten Klosters. Wir haben dort schon eine Menge besonderer Tiere und seltener Arten gefunden.”

Wussten Sie gleich, dass es eine besondere Entdeckung war?

“Es dauert immer ein bisschen, bevor man sicher sein kann, es mit einer neuen Art zu tun zu haben. Um ein Tier zu identifizieren, studieren wir Schritt für Schritt alle Merkmale, indem wir Proben sammeln, Sezierungen vornehmen, … Ich hatte für die Gattung Drapetis schon vor einigen Jahren einen Identifikationsschlüssel erstellt, und diese Art passte nicht dazu. Außerdem forderten wir eine Art an, die vor einigen Jahren in Italien gefunden wurde, um sicher zu sein, dass es nicht dieselbe Art war. Als ich die Gelegenheit zu einer genetischen Untersuchung bekam, war schnell klar: Die neue Art unterscheidet sich zu mehr als 10 % von ihren nächsten Verwandten. Danach mussten unsere Forschungsergebnisse noch veröffentlicht werden. Insgesamt dauerte es von dem Moment, da wir die Fliege gefangen hatten, bis zur Veröffentlichung der Ergebnisse ein Jahr.“

Wieviel Insektenarten leben im und um den Zonienwald?

“Das wissen wir nicht genau. Im Botanischen Garten Jean Massart führten wir das Projekt „Objectief 1000“ aus, unterstützt von Leefmilieu Brussel (BIM, dem öffentlichen Dienst für Umwelt und Energie der Region der Hauptstadt Brüssel). Mit mehr als 50 Kollegen und Amateurforschern machten wir uns an die Inventarisierung des Botanischen Gartens mit dem Ziel, 1000 Insektenarten zu finden. Innerhalb eines Jahres hatten wir die ersten tausend gefunden, und nach anderthalb Jahren waren wir schon bei 1500. In der gesamten Umgebung leben wahrscheinlich um die 5000 Insektenarten.”

Besteht die Möglichkeit, dass wir noch andere Insektenarten entdecken können?

“Die europäischen Arten sind schon sehr gut erfasst, doch es wird wohl immer einige Arten geben, die wir noch nicht entdeckt haben. Ich reise demnächst nach Singapur, um genetische Untersuchungen an den Insekten aus dem Botanischen Garten Jean Massart durchzuführen. Es ist gut möglich, dass darunter noch neue Arten sind. Manchmal lässt sich am Äußeren nur schwer bestimmen, ob es sich um eine andere Art handelt, während die Genetik eine klare Antwort gibt.”

Was können wir tun, um unseren Garten insektenfreundlich zu machen?

“Ein wilder Garten mit vielen Blumen ist ideal für Insekten. Es lohnt gewiss die Mühe, ein Bienen- oder Insektenhotel aufzustellen, mit hohlen Ästen oder Platten voller Löcher, in denen die Tiere nisten können. Auch Komposthaufen werden von vielen Insekten frequentiert. Dort ist es wärmer, können sie sich gut eingraben und finden sie viele Beutetiere. Und anstelle eines englischen Rasens ist eine Wiese mit Blumen oder ein wilder Blumengarten sicher eine Wahl, die bei Insekten Zuspruch findet.“

Den Botanischen Garten Jean Massart besuchen? Das geht montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr. Adresse: Waversesteenweg 1850, 1160 Oudergem